Bäuerliche Hochzeit nicht nur der Liebe wegen

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Katharina Sept und Daniel Seifert vor dem Brautwagen im Ostflügel der Wewelsburg

Kreis Paderborn (krpb). Informativ und unterhaltsam zugleich wird es am kommenden Sonntag, den 5. August 2012 um 15 Uhr auf der Wewelsburg. Im Rahmen einer öffentlichen Führung bieten die Museumspädagogen einen Überblick über die Landesgeschichte von der Steinzeit bis zur Aufhebung des Fürstbistums 1802.

Sehenswerte Baudenkmäler wie der historische Hexenkeller, ein Originalstück des alten Hellweges und einzigartige sakrale Schätze des Barock und Rokoko vermitteln ein anschauliches Bild des Lebens vergangener Jahrhunderte im Paderborner Land.

 Bäuerliches Wohnen im 18. Jahrhundert präsentiert sich im Ostflügel der Wewelsburg.

Ein Brautwagen veranschaulicht das bewegliche Mobiliar, das – streng gesetzlich geregelt – bei Eheschließungen von bäuerlichen Abkommen männlichen oder weiblichen Geschlechts von Hof zu Hof transportiert wurde. Der ausgestellte Brautwagen wurde mit Vieh, Wagen und Hausgerät bestückt.

 Die Hochzeit in der frühen Neuzeit hatte vornehmlich eine ökonomische und soziale Bedeutung. Ihr Ziel war es, zwei Familien zusammenzuführen, um deren wirtschaftliche Situation zu verbessern. Persönliche Zuneigungen spielten dabei nur eine untergeordnete Rolle.

 Wie auf einer bäuerlichen Hochzeit zu damaliger Zeit gefeiert wurde, berichten Schriftstücke aus den Beständen des Nordrhein-Westfälischen Staatsarchivs Münster sowie das Westfälische Magazin zur Geographie aus dem Jahr 1784. Eine bäuerliche Hochzeit dauerte zumeist einen Tag, selten länger. Hier versuchte die Obrigkeit einzugreifen, indem sie in einem Edikt vorschrieb, dass, falls die Brautleute „annoch den zweyten Tag Gäste haben“ wollten, der das Fest ausrichtende Vater der Braut oder des Bräutigams den Gästen am zweiten Tag „höchstens eine Frühstück reichen“ sollte.

Selbst die Zahl der Gäste war reglementiert. So durften nur „Vater und Mutter, Schwester und Bruder mit ihren respective Männern und Weibern nebst dem Pfarrer, Schulmeister und Freywerber“ eingeladen werden. Als Hochzeitsmahl durften „nicht mehr als 4 Speisen nebst Kuchen, Butter und Käse aufgetragen werden und aller Wein zum Truncke (sollte) hiermit gäntzlich abgeschafft seyn“.

 Die öffentliche Führung durch das Historische Museum des Hochstifts Paderborn beträgt rund 1 ½ Stunden.
Eintritt: 3 € / erm. 1,50 € / Familienkarte 6 €

 Foto: Stadt Paderborn