Baggerseen sind keine Schwimmbäder sondern Baustellen

Ein Wegweiser für die Rettungskräfte: Im Notfall die 112 wählen und Kennziffer nennen. Foto: Kreis Paderborn

Ein Wegweiser für die Rettungskräfte: Im Notfall die 112 wählen und Kennziffer nennen. Foto: Kreis Paderborn

Kreis Paderborn (krpb). Sahara-Sommer im Juni mit Rekordtemperaturen: Doch Abkühlung in Baggerseen sollte niemand suchen. Denn für manche von ihnen könnte es der letzte Sommer sein. „Tod im Baggersee“  ist ein furchtbarer Klassiker in der sommerlichen Medienlandschaft. Landrat Manfred Müller warnt deshalb auch in diesem Jahr vor dem Baden in diesen Seen, weil sie tückisch sind und immer wieder Menschen zum Verhängnis werden.

Baggerseen sind keine „natürlichen Schwimmbäder“ sondern schlicht Baustellen. Deshalb machen bereits alte Bau- und Betonteile oder Stromkabel das Baden zum unkalkulierbaren Risiko. Die Ufer sind nicht befestigt und können steil abfallen. Eiskalte Unterströmungen und fehlende Sichttiefe sind weitere Gefahren, die unter der Oberfläche lauern. Selbst geübte Schwimmer können leicht in Panik geraten, wenn sie plötzlich in kalte Wasserschichten geraten und keinen Grund mehr unter den Füßen spüren. Das „mal eben durch den See schwimmen“ wird vielen zum Verhängnis, weil die Kräfte schwinden oder Krämpfe bzw. Herz-Kreislauf-Beschwerden sich einstellen. Fehlende Badeaufsichten und mangelnde Rettungseinrichtungen rächen sich genau in diesen Momenten. „Geht der Betroffene unter, haben die Rettungskräfte  aufgrund des trüben Wassers nur eine kleine Chance, den verunglückten Badenden überhaupt zu finden und zu retten“, sagt Dirk Nölting, Leiter der Kreisfeuerwehrzentrale mit Sitz in Büren-Ahden.

Doch trotzdem stehen „wilde“ Badestellen an Baggerseen und Stauseen im Paderborner Kreisgebiet insbesondere bei Familien und Jugendlichen hoch im Kurs. Eingesparte Eintrittsgelder, vermeintliche Natur pur und “Ende offen“ locken jedes Jahr zahlreiche Badende ins trübe Nass. Und dass trotz des durch Beschilderung kenntlich gemachten Badeverbots. Kommt dann noch Alkohol mit ins Spiel, kann das Ganze böse enden.

Landrat Manfred Müller weist deshalb eindringlich auf die Beachtung der von den Seeeigentümern oder auch in Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten ausgesprochenen Badeverbote an Baggerseen hin. Im Kreis Paderborn wurde in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden insgesamt 122 Seen, Talsperren, Baggerseen und sonstige Gewässer, die sich scheinbar irgendwie zum Baden eignen, mit Schildern versehen. Die insgesamt rund 160 Schilder stehen in der Nähe von Zufahrtsstraßen und an Orten, wo aller Erfahrung nach sich viele Badende aufhalten. Die Schilder sind blau mit weißer Schrift. Aufgedruckt sind Orts- und Kennziffern, die es der Kreisleitstelle ermöglichen, die Einsatzkräfte gezielt zum Verunglückten zu führen. Bei der Meldung von Notfällen an die Kreisfeuerwehrzentrale über die 112 sollte diese Kennziffer genannt und eine möglichst genaue Ortsbeschreibung durchgegeben werden. Die gewonnene Zeit durch das schnellere Auffinden des Verunglückten kann Leben retten.

Die Schilder sind jedoch letztlich nur ein letzter Rettungsanker, wenn „das sprichwörtliche Kind“ in den Brunnen gefallen ist. Alternativen bieten öffentliche Frei- und Hallenbäder, denn hier ist immer eine Badeaufsicht und damit rechtzeitig Hilfe zur Stelle, wie z.B. auch am Lippesee.