Auf den Spuren der mittelalterlichen Burg Maygadessen

Ausgrabung Maygadessen: Ralf Schlotthauber (Stadt Höxter) bei der Dokumentation der angeschnittenen mittelalterlichen Burgmauer. © Stadt Höxter

Höxter. Bei Baggerarbeiten auf dem Gelände des Herrenhauses in Maygadessen wurden überraschend Spuren einer mittelalterlichen Burgmauer entdeckt, die auf die Existenz einer Wasserburg in der Siedlung Maygadessen westlich von Godelheim schließen lassen. Die Stadtarchäologen haben die Baustelle untersucht und kommen zu interessanten Ergebnissen.

Wahrscheinlich ist nur wenigen bekannt, dass im ausgehenden Mittelalter eine Niederungsburg auf dem heutigen Gut Maygadessen bei Godelheim existierte. Die Geschichte dieser Wehranlage liegt weitgehend im Dunklen. Urkundlich wird die Burg nur ein einziges Mal 1490 überliefert: In diesem Jahr erstand der von 1478 bis 1504 amtierende Corveyer Abt Hermann von Bömelburg das weitgehend verödete Dorf Maygadessen samt Burg und übertrug sie seinem Bruder Christoph. Der Erbauer und somit das Alter der Befestigung sind unbekannt. Vermutlich wurde die Burg von Angehörigen der Familie von Boffzen erbaut, die bis 1459 umfangreichen Lehenbesitz in Maygadessen hatten.

Auch die weitere Geschichte der Maygadesser Burg ist nicht überliefert. Auf dem 1672 erschienen Kupferstich „Brunisberga“ des westfälischen Barockmalers Johann Georg Rudolphi ist Maygadessen am Fuß des Brunsberges dargestellt. Im Zentrum der kleinen Siedlung ist ein mehrgeschossiges Gebäude zu erkennen, bei dem es sich wahrscheinlich um das Turmhaus der mittelalterlichen Burganlage handelt. Turmhäuser des 14. Jahrhunderts haben sich bis heute in Beverungen und auf der Thonenburg erhalten. Wann die Burg abgebrochen wurde, ist bisher nicht bekannt. Auf dem preußischen Urkataster von 1831 ist noch gut der Grundriss der einstigen, wassergrabenumwehrten Anlage nachzuvollziehen. 1851 wurde die Gräfte bis auf den westlichen Arm verfüllt, die nachburgzeitliche Bebauung abgebrochen und das heutige Herrenhaus errichtet. Bis 1914 verblieb das Gut Maygadessen im Besitz der Familie von Bömelburg und seit 1917 gehört es der Familie von Wolff-Metternich.

Anlässlich von Baggerarbeiten auf dem Gutshof nahm der heutige Eigentümer Wolfgang Freiherr von Wolff-Metternich Kontakt mit dem höxterschen Stadtarchäologen Andreas König auf. Unmittelbar westlich des Herrenhauses stieß der Bagger Mitte Juni auf direkt unter der Grasnarbe gelegene, starke Mauern. Die baubegleitende Untersuchung durch die Stadtarchäologie ergab, dass die mittelalterliche Burgmauer angeschnitten worden war. Es handelt sich hierbei um eine 1,4 m starke, aus Kalksteinen errichtete Mauer, die auf der Außenseite zum Burggraben mit Buntsandsteinen verblendet war. Die gleiche Mauerstärke ist beispielsweise auf der 1294 zerstörten Brunsburg zu beobachten. Auf der Innenseite der Burgmauer setzten zwei gegeneinander gesetzte Bruchsteinmauern an, die zur ehemaligen Innenbebauung gehören. Das breitere Mauerwerk mit einer Stärke von 0,9 m deutet auf einen massiven Steinbau hin. Somit ergab der kleine Bodenaufschluss erste konkrete Anhaltspunkte zur Maygadesser Wasserburg.