Auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

Berufsabschluss ist Voraussetzung für den Arbeitsmarkt – Karin Alves da Silva lernt für die Ausbildung zur Altenpflegehelferin. Foto: Jobcenter Lippe, Alves da Silva

Kreis Lippe. „Die wollen doch nicht arbeiten“; „wenn die Kinder krank sind, fehlen sie“ oder „bei einem so schwierigen Privatleben können sie sich nicht auf die Arbeit konzentrieren“ – das sind Vorurteile, denen Alleinerziehende bei der Suche nach einem Arbeitsplatz begegnen. 2.700 Ein-Eltern-Familien leben in Lippe und beziehen Arbeitslosengeld II, zumeist handelt es sich dabei um alleinerziehende Mütter.

Vor allem alleinerziehende Frauen, die vom Arbeitslosengeld II leben, kämpfen oft mit gesellschaftlichen Vorurteilen und schwierigen Rahmenbedingungen. Doch gerade in Zeiten des Facharbeitermangels findet in Gesellschaft und Politik ein Umdenken statt, wird es immer deutlicher: Alleinerziehende sind eine wertvolle Ressource für den Arbeitsmarkt!

Wie die couragierten 35-jährige Karin Alves da Silva, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die nach einer längeren Familienphase den Berufseinstieg wagen wollte. Schnell machte sie die Erfahrung: „Ohne abgeschlossene Ausbildung stellen sich einem viele Hürden in den Weg.“ Sie wendete sich an das Jobcenter Lippe und wurde dort in einem längeren Prozess professionell begleitet.

 

„Rom ist auch nicht in einem Tag erbaut worden“, sagt dazu Ulrike Grabow, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Lippe. „Viele Frauen, die lange zu Hause geblieben sind und sich auf die Kindererziehung konzentriert haben, müssen sich erst einmal auf dem Arbeitsmarkt orientieren, eigene Potentiale erkennen, berufliche Ziele entwickeln und Unterstützung auf dem Weg zum Berufsabschluss und zur Arbeitsaufnahme erfahren.“ Dazu gehört für das Jobcenter Lippe auch, Arbeitgeber für die Potentiale der Alleinerziehenden zu sensibilisieren und bestehende Vorurteile abzubauen.

 

Der hürdenreiche Weg zur Arbeitsaufnahme für Karin Alves da Silva begann mit dem Projekt „ULLA – Unterstützung langzeitarbeitsloser Alleinerziehender“, das von der Netzwerk Lippe gGmbH im Auftrag des Arbeitsministeriums durchgeführt wird. Hier bekommen die Teilnehmerinnen individuelle Hilfen in allen Problemlagen, die einer Arbeitsaufnahme entgegenstehen. Hochmotiviert und mit neuen Lösungen, Kompetenzen und Zielen ausgestattet, nahm Alves da Silva anschließend teil an „kiBa – kreativ in Beruf und Arbeitsmarkt“. Die Qualifizierungsmaßnahme im Auftrag des Jobcenters Lippe orientiert Erziehende mit kreativen Ansätzen auf den Arbeitsmarkt. Eignungstests und Praktika gewährleisten eine realistische Einschätzung der beruflichen Möglichkeiten und Fähigkeiten. „Hilfreich fand ich besonders das Feedback der anderen Teilnehmerinnen. Wie nehmen die mich wahr, wo sehen die mich beruflich?“, erinnert sich Alves da Silva.

 

„Eine realistische berufliche Orientierung auf den Arbeitsmarkt ist die eigentliche Aufgabe dieser Projekte“, unterstreicht Ulrike Grabow vom Jobcenter Lippe. „Wenn die Teilnehmer durch eigene Erfahrungen wahrnehmen, wo ihre Stärken liegen, und welchen Beruf sie ergreifen können und wollen. Das ist die Grundlage dafür, dass die Frauen dann eine Qualifizierung oder Umschulung durch das Jobcenter ermöglicht wird.“

 

Karin Alves da Silva hat die erste Hälfte ihres Weges erfolgreich bewältigt. Seit Juli wird sie zur Altenpfleghelferin ausgebildet. Das Jobcenter finanziert die Qualifizierung, denn an Eignung und Motivation der Auszubildenden gibt es aufgrund der intensiven Vorbereitung keinen Zweifel. Karin Alves da Silva freut sich, mit einem qualifizierten Abschluss bald gute Chancen zu haben, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten zu können: „Mein größter Wunsch ist es, mit meinen Kindern auf eigenen Beinen stehen zu können!“