Arbeitsmarkt mit „offenen Baustellen“

Handlungsbedarf am Arbeits- und Ausbildungsmarkt sieht die SPD-Kreistagsfraktion nach ihrem Informationsbesuch bei der Agentur für Arbeit. Foto: Pressebüro Wort und Co

Kreis Lippe. Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Lippe präsentiert sich noch in guter Verfassung. „Doch es gibt an der einen oder anderen Stelle Handlungsbedarf“, meint Kurt Kalkreuter, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, nach einem Informationsbesuch bei der Agentur für Arbeit in Detmold.

Eine „offene Baustelle“ sehen die Sozialdemokraten in der Zusammenarbeit zwischen der Agentur und dem Jobcenter des Kreises, das die Empfänger von Arbeitslosengeld II (ALG II) betreut. Diese Zusammenarbeit laufe zwar fast überall rund, wie Agenturleiter Heinz Thiele gegenüber der SPD-Fraktion betonte. Trotzdem wollen die Sozialdemokraten Doppelstrukturen im Arbeitgeberservice der beiden Einrichtungen überprüfen.

Stein des Anstoßes sind die Berufsberatung und Vermittlung in Ausbildung. Jugendliche, deren Eltern ALG II beziehen, werden vom Jobcenter in Ausbildung vermittelt, alle anderen durch die Agentur für Arbeit. Dr. Axel Lehmann, sozialpolitischer Sprecher der SPD: „Wir wollen prüfen, ob eine rechtlich mögliche Rückübertragung der Aufgabe an die Agentur sinnvoll ist. Zum einen sehen wir die Gefahr einer Diskriminierung der Jugendlichen aus Hartz IV-Familien. Zum anderen ist es nicht sinnvoll, wenn morgens die Arbeitsagentur bei Unternehmen Auszubildende vermittelt und nachmittags das Jobcenter mit dem gleichen Anliegen vor der Tür steht.“

Der Ausbildungsmarkt beschäftigt die SPD-Fraktion schon seit Jahren. Lehmann, gleichzeitig auch stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender beim Jobcenter, sieht immer noch zu viele Jugendliche unversorgt. „Gleichzeitig haben wir aber auch das Problem, dass viele Unternehmen ihre Ausbildungsplätze kaum besetzen können. Wir stehen hier vor einer doppelten Herausforderung.“ Dabei machte Berufsberaterin Meike Kohlbrecher, deutlich, dass die Defizite einiger Jugendlicher eher im sozialen Umgang als auf intellektueller Ebene zu suchen seien.

Auch der Arbeitsmarkt weist in Lippe „offene Baustellen“ auf. Zwar ist die Arbeitslosenquote mit 7,8 Prozent vergleichsweise niedrig. Doch die Arbeitslosenzahlen steigen seit dem Frühsommer wieder. Die SPD-Fraktion und Agenturleiter Thiele sind sich einig: Sollte die Eurokrise doch noch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, braucht die Arbeitsverwaltung Reserven, um die Folgen über Kurzarbeit abfedern zu können. Kalkreuter: „Die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung deutlich zu reduzieren, hat die Reserven auf null abgeschmolzen und würde die Krise zum Fiasko machen.“