Antrag „Digitale Bildung“ im Bundestag

Uni Paderborn_ProfPaderborn. Mit dem Antrag zur Stärkung der digitalen Bildung durch die Regierungsparteien werden in der Bundestagsdebatte explizit die Forschungsergebnisse der IEA-Studie ICILS 2013 (International Computer and Information Literacy Study) aufgegriffen, die in Deutschland von Prof. Dr. Birgit Eickelmann (Universität Paderborn) und  Prof. Dr. Wilfried Bos (TU Dortmund) geleitet wird. Die Studie hat gezeigt, dass die Nutzung neuer Technologien in Schulen in Deutschland längst nicht zum Unterrichtsalltag gehört und auch die schulische IT-Ausstattung deutliche Entwicklungsbedarfe aufzeigt.

 Deutschland schneidet im Bereich digitaler Kompetenzen im Ergebnis nur im internationalen Mittelfeld ab. Fast 30 Prozent der Jugendlichen verfügen nur über basale Kompetenzen im Umgang mit neuen Technologien und digitalen Informationen. Neben der Feststellung einer fehlenden Leistungsspitze wurde zu dem deutlich, dass sich vor allem Jugendliche aus wenig privilegierten sozioökomischen Hintergründen und Jugendliche mit Migrationshintergrund überproportional häufig auf den untersten Kompetenzstufen befinden.

 Dass die Befunde und die Empfehlungen aus der Wissenschaft so unmittelbar nach der Veröffentlichung der Studienergebnisse nun auch bildungspolitisch aufgegriffen werden, weist auf die Dringlichkeit und den Handlungsbedarf hin, das deutsche Bildungssystem wieder an internationale Entwicklung anschlussfähig zu gestalten. Die Verbesserung der technischen Infrastruktur für Schulen, Maßnahmen der Qualitätssicherung sowie die Entwicklung der Lehreraus- und -fortbildung auch unter Einbezug neuer verpflichtender Elemente seien, so Prof. Birgit Eickelmann, wichtige Schritte, die eine nachhaltige Verankerung digitaler Bildung ermöglichen. Auch andere, ebenfalls im Antrag festgehaltenen Maßnahmen zur Einführung von Bildungsstandards,  zur Festschreibung digitaler Kompetenzen in Curricula und Bildungspläne aller Schulstufen greifen die Handlungsempfehlungen aus der Wissenschaft auf der Grundlage der ICIL-Studie zielführend auf. Die Anbahnung eines koordinierten Vorgehens über Bundesländergrenzen hinweg erscheint vor dem Hintergrund erfolgreicher Ansätze aus anderen an ICILS 2013 beteiligten Ländern erfolgversprechend.

 Nicht vergessen werden aber dürfe, so Eickelmann, die geplanten Maßnahmen auch forschend zu begleiten. Um nachhaltige Veränderungen zu erreichen, wird es zukünftig wichtig sein, vor allem auf den Ebenen der Schul- und Unterrichtsentwicklung Aussagen darüber treffen zu können, was „guter“ digitaler Unterricht ist und welche pädagogischen und technologischen Ansätze dazu beitragen, digitale Bildung kompetenzorientiert zu verankern.  Nur wenn durch Forschung ermöglicht wird, zukünftig gezielter Lehrerbildung in allen Unterrichtsfächern zu entwickeln und evidenzbasierte bildungspolitische Entscheidungen zu treffen, können die im Antrag festgehaltenen Zielperspektiven langfristig  erreicht werden.