Aktuelle Lage stabil, Erwartungen etwas gedämpft

Bielefeld. Die aktuelle Wirtschaftslage ist sowohl im Handel als auch bei den Dienstleis-tern stabil, die Erwartungen erhalten allerdings einen leichten Dämpfer. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) in ihrer aktuellen Herbstkonjunkturumfrage in diesen beiden Sektoren. 1.442 Unternehmen mit zusammen 67.764 Beschäftigten haben sich an der Befragung beteiligt.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt, ist im Handel von 119 im Frühjahr auf aktuell 109 gesunken, bei den Dienstleistern von 127 Punkten auf 119. Die 100 markiert die Grenze zwischen einer überwiegend positiven oder negativen Stimmung. „Nach zwei erfreulichen Jahren meldet der Handel etwas zurückhaltendere Konjunktureinschätzungen. Die Stimmung innerhalb der Dienstleistungsbranchen ist nach wie vor relativ am besten“, kommentierte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe heute (19.09.12) die Umfrageergebnisse bei deren Vorstellung vor der Presse.
Die aktuelle Geschäftslage bei den Dienstleistern befinde sich auf einem sehr erfreulichen Niveau: „Gegenüber der Frühjahrsumfrage gab es eine Steigerung um zwei Prozentpunkte“, hob Holger Piening hervor, Vorsitzender des IHK-Dienstleistungsausschusses. Aktuell beurteilten 36 Prozent die Geschäftslage als gut, zehn Prozent als schlecht. Die Erwartungen hingegen seien zum drit-ten Mal rückläufig, allerdings nicht besorgniserregend: 28 Prozent gehen von einer besseren, 12 Prozent von einer schlechteren Geschäftslage in den nächs-ten zwölf Monaten aus. Piening: „Besonders erfreulich ist, dass alle Dienst-leistungsunternehmen weiter Personal aufbauen wollen.“ Die Wettbewerbsfä-higkeit der Branchen sorge für eine solide Ausgangsbasis, auch für die Zu-kunft.

„Die Lage im Handel ist durchaus zufriedenstellend“, betonte Rainer Döring, Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses. Das Konsumklima, die geringe Ar-beitslosenquote und die niedrigen Zinsen sorgten für eine Stabilisierung im Einzelhandel. Traditionell sei die Lage im Großhandel durch die Nähe zur In-dustrie noch besser. Döring: „Die Erwartungen erhalten allerdings einen Dämpfer, und zwar ausgelöst durch die wachsenden Unsicherheiten der wirt-schaftspolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere der europäischen Schuldenkrise.“ Die Erträge gerieten spürbar unter Druck, Kostensteigerungen seien vielfach am Markt nicht durchsetzbar. Dementsprechend wenige Impulse seien von den Investitionen im Handel zu erwarten. „Die Unsicherheiten wachsen, die Händler handeln vorsichtig“, erklärte der IHK-Handelsausschuss-vorsitzende und ergänzte: „Es gibt jedoch auch wenige Anzeichen zum jetzi-gen Zeitpunkt zur übertriebenen Besorgnis.“

Der „Tertiäre Sektor“ (Handel und Dienstleistung) wachse in Ostwestfalen wei-terhin stark und zähle aktuell 398.980 Beschäftigte, berichtete Grefe. Der „Se-kundäre Sektor“ (Industrie) habe auch zugelegt, auf aktuell 223.616 Beschäf-tigte. „Diese Entwicklung stimmt uns zuversichtlich“, unterstrich Grefe.

Foto: IHK Ostwestfalen