AIDA The New Way – Opernshow in Halle

Aida

Halle (JT). Vergangenen Samstag erlebten die Besucher des Gerry Weber Stadions Paolo Miccichés Inszenierung von Guiseppe Verdis „Aida“. Der Regisseur setzte dabei auf drei riesige Videoleinwände, die mit farbenfrohen Bildern als Bühnenbild dienten. Die musikalische Leitung übernahm der Echo Klassik Preisträger Roman Brogli- Sacher.

Beeindruckend waren die stimmungsvollen Projektionen auf den bis zur Decke ragenden Leinwänden allemal, jedoch sollten sie keinesfalls dazu dienen, die Musik und den Gesang in den Hintergrund zu drängen. Im Gegenteil, die gesanglichen Darbietungen vor allem der großartig aufgelegten Karah Son als Aida, waren die eigentlichen Highlights des Abends. Selbst auf den ungünstigeren Plätzen war das von Tonregisseur Ingo Schmidt – Lucas entwickelte Soundbild optimal ausgesteuert, sodass die harmonische Komposition von Gesang und Orchester überall voll zu Geltung kommen konnte.

Mit AIDA The New Way untertitelt wurde die Wanderoper, die in mehreren Stadten in Deutschland und Österreich zu sehen ist, als neuartiges, nie dagewesenes Spektakel angekündigt; ein Versprechen, welches nicht ganz eingehalten werden konnte. Die zum Teil dreidimensional wirkenden Bilder waren eher optisches Beiwerk, welches zu einer altägyptischen Atmosphäre beitragen sollte. Auf weiteres Bühnenbild wurde komplett verzichtet, was auch die inszenatorischen Möglichkeiten stark einschränkte. So war im Endeffekt ein toll zusammengestelltes Gesangsensemble zu sehen, welches in gelungener, von Alberto Spiazzi  entworfener Verkleidung vor farbenreichen, symbolbestückten Projektionen performte. Die angekündigte „Symbiose“ der verschiedenen Elemente war selten zu erkennen.

Das Orchester der Bielefelder Philharmonie unter Brogli- Sacher zeigte einen sehr überzeugenden Auftritt. Es bewies gutes Gespür, wann es insistierend die Stimmung des Geschehens bestimmen oder sich bei den Arien oder Choreinlagen in den Hintergrund stellen sollte, sodass die Dramatik der Oper von der Musik und dem Gesang getragen werden konnte.

Wirkliche Opernstimmung kam in der Sporthalle trotz der guten Leistungen nicht wirklich auf, was auch den seitlichen Plätzen geschuldet sein könnte, da dem Zuschauer bei einem Sitz fast im rechten Winkel zur Bühne schon einmal der Nacken steif werden kann.

Die Debatte, ob die Oper aus den Opernhäusern heraus gehen muss, um zugänglicher auch für weniger opernaffine Menschen zu sein, konnte der mit gemischten Gefühlen verlassene Aida- Abend im Gerry Weber Stadion also nicht wirklich beeinflussen.
Da die Opernhistorie des Veranstaltungsortes jedoch noch nicht allzu lange zurückgeht, ist mit Spannung abzuwarten, ob die nächste Inszenierung, die es berechtigterweise geben wird, aus den Kindheitsfehlern lernen kann.

Text und Foto: Jonas Thode