Abitur und Ausbildung gleichzeitig

Kreis Paderborn. Spätestens gegen Ende der 10. Klasse überlegen sich die Schülerinnen und Schüler, ob sie Abitur machen oder doch lieber eine Berufsausbildung machen wollen. Beides geht sogar gleichzeitig. Das Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Trägerschaft des Kreises Paderborn möchte jungen Menschen mit dem neuen Bildungsgang „Informationstechnische Assistentin / Informationstechnischer Assistent“ ab dem Schuljahr 2014 / 2015 eine attraktive Ausbildung im Doppelpack ermöglichen. Bereits während der Sekundarstufe II büffeln die Schüler nicht nur fürs Abitur sondern absolvieren parallel eine Berufsausbildung. Am Ende des insgesamt 3 ½ jährlichen Bildungsgangs haben sie dann nicht nur die allgemeine Hochschulreife sondern auch den „informationstechnischen Assistenten“ in der Tasche. Einstimmig beschloss der Paderborner Kreistag in seiner jüngsten Sitzung den neuen Bildungsgang an den technischen Schulen des Kreises. Zuvor hatte bereits der Kreisschulausschuss grünes Licht gegeben.

Eine solche Ausbildung im Doppelpack gibt es bereits für die Berufsfelder Informations- und Elektrotechnik am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg. Der neue Bildungsgang im Bereich der Informatik sei folgerichtig und notwendig. Die Technischen Schulen des Kreises könnten damit als öffentliche Bildungseinrichtung einen wichtigen Beitrag leisten zur Qualifizierung des dringend benötigten Nachwuchses an informationstechnisch ausgebildeten Fach- und Führungskräften in der Wirtschaft, heißt es dazu in der Beschlussvorlage des Kreises.

Voraussetzung für den neuen, dreieinhalbjährlichen Bildungsgang ist die Fachoberschulreife mit Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Nach drei Jahren Vollzeitschule legen die Schülerinnen und Schüler ihre Abiturprüfung ab. Im vierten Jahr absolvieren sie dann ein schulisch begleitetes Betriebspraktikum.

Die IHK, Kreishandwerkerschaft und Agentur für Arbeit hatten sich in ihren Stellungnahmen gegen die Einrichtung des Bildungsganges ausgesprochen und eine Konzentration der Berufskollegs auf die duale Ausbildung gefordert. Schulausschussvorsitzender Vincenz Heggen erklärte, dass der Ausschuss die Bedenken sehr ernst nehme. Die beabsichtigte Einrichtung des neuen Bildungsgangs sei „Vollzug des derzeitigen Schulentwicklungsplanes.“ Mit Blick auf die Diskussion beschloss der Schulausschuss mehrheitlich (2 Gegenstimmen, vier Enthaltungen), dass zukünftige Anträge dieser Art zurückhaltend gestellt und sodann einer kritischen Prüfung zu unterziehen seien.

Landrat Manfred Müller wird den neuen Bildungsgang bei der Bezirksregierung Detmold als zuständige Genehmigungsbehörde beantragen. Klappt alles wie geplant, könnten die Schüler im übernächsten Schuljahr sowohl am Hauptstandort in Paderborn als auch in der Nebenstelle Büren unterrichtet werden. Die Schulleitung spricht sich jedoch für das Berufskolleg-Zentrum am Maspernplatz in Paderborn aus, weil dort die bereits drei Berufskollegs in Trägerschaft des Kreises angesiedelt sind. Durch die Konzentration der gymnasialen beruflichen Oberschulen könnten durch gemeinsame Unterrichtsangebote oder den problemlosen Austausch von Lehrkräften Synergieeffekt genutzt werden. Der geplante Bildungsgang wird im Raum Paderborn bislang von keiner öffentlichen Bildungseinrichtung angeboten.

Bildunterzeile: Abitur und Ausbildung gleichzeitig machen: Neuer Bildungsgang „Informationstechnische Assistentin / Informationstechnischer Assistent ab dem Schuljahr 2014 / 2015 am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg

Bild: Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit