5. Gütersloher Straßentheaterfestival erzählt Gütersloher Geschichte

Gütersloh. Mit drei Veranstaltungen in dieser Woche geht das 5. Gütersloher Straßentheaterfestival Platzwechsel nun auf die Straßen und Plätze der Stadt. Alle Inszenierungen des von der Stadt Gütersloh veranstalteten Festivals stammen in diesem Jahr vom Theaterlabor Bielefeld, das seine Themen aus der Gütersloher Geschichte gesucht und mit Unterstützung heimischer Gruppen realisiert hat. 

Am Mittwoch. 8. Mai, um 20 Uhr spielt das Theaterlabor Bielefeld mit zahlreichen Mitwirkenden aus Gütersloh und Bielefeld auf dem Gelände der Dampfkleineisenbahn Mühlenstroth am Postdamm im Stadtteil Nordhorn. Unter dem Titel „Neben der Spur“ entwickelten Thomas Behrend und Stephanie Taubert vor allem Szenen zum Eisenbahn-Unglück von 1851, bei dem der spätere Kaiser Friedrich  III. als Passagier und Ersthelfer beteiligt war. Beteiligt sind unter anderem die Jugendfeuerwehr Isselhorst und der Pferdestärkenclub des benachbarten Kirchspiels Isselhorst.

Am Feiertag Christi Himmelfahrt, 9. Mai, um 16 Uhr geht das Festival mit der Inszenierung „Magogen und Kamuffen“  der Geschichte am Beispiel der Kirchstraße nach. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben unter anderem die Auseinandersetzung zwischen den liberalen (Magogen) und konservativen (Kamuffen) Politikern vor dem Gütersloher Stadtrat am 13. März 1848. Ergebnis war die umgekehrte Gütersloher Revolution, bei der aufgebrachte königstreue Bewohner des Viertels Auf dem Busch die Weinkeller des Gesellschaftshauses Eintracht stürmten. Dankbarer Theater-Stoff also für die Theaterleute am heutigen Haus der Tanzschule Stüwe-Weißenberg. Mit vielfältigen aktionsreichen Formen geht es aber auch um den evangelischen Volksprediger und Gütersloher Pastor Volkening, den Abriss von Häusern des Alten Kirchringes und die gemeinsame Nutzung der Kirche durch die katholische und die evangelische Gemeinde. Ab 16 Uhr wird sich das Geschehen entlang der Kirchstraße entwickeln. Die Zuschauerinnen und Zuschauer bewegen sich mit dem Geschehen auf der für den Verkehr gesperrten Kirchstraße in Richtung des Alten Kirchplatzes, wo es nach gut einer Stunde zum Finale kommt.

Am Samstag, 11. Mai, wird dann ab 21 Uhr das Parkbad im Stadtteil Sundern zum Ort für Träume. Regisseurin Agnetha Jaunich hat sich von Fotos des Badebetriebes im Parkbad anregen lassen. Ihr Programm heißt „Traumfischen“ und lebt mögliche Träume von Parkbadnutzern aus. Der Gütersloher Elektronik-Musiker Bernhard Wöstheinrich gestaltet das Programm ebenso mit wie Improvisationstänzer des Theaterlabors und Gruppen von Sport- und Ballet Neumann. Eine tragende Rolle übernimmt das Technische Hilfswerk, denn über die ganze Länge des Wasserbeckens muss ein Vorhang gezogen werden, der auch als Projektionsfläche dienen wird. Die Gastronomie des Parkbades ist am Samstag ebenso geöffnet wie am Mittwoch der Gasthof Mühlenstroth.

Mit diesen Inszenierungen will das Theaterlabor Bielefeld Geschichten und Geschichtchen präsentieren, die im Gedächtnis der einzelnen Menschen und der Stadt von Bedeutung sind. Die künstlerische Darstellung nutzt Mittel der Artistik, des Dramas, der Groteske, der Pantomime und es Improvisationstanzes sowie unterschiedlichste musikalische Elemente. Diese Vielfalt werde, so meint „Platzwechsel“-Programmleiter Heinrich Lakämper-Lührs vom Fachbereich Kultur und Sport der Stadt Gütersloh, „das vermeintlich Fremde von Geschichte in die Gegenwart des Jahres 2013 tragen und für heutige Menschen nacherlebbar machen“.