67. Paderborner Osterlauf im Zeichen Nairobis

OLYMPUS DIGITAL CAMERAPaderborn. (dz) Wenn am 30. März 2013 wieder tausende Menschen beim 67. Paderborner Osterlauf an den Start gehen werden, können sie es auch dieses Jahr für einen guten Zweck tun: Als Spendenläufer für Nairobi, Kenia. Zum zweiten Mal kooperieren die Stadt Paderborn und die Hilfsorganisation „Ärzte für die dritte Welt – German Doctors e. V.“, um notleidenden Menschen zu helfen. Warum es diesmal konkret Nairobi und Hilfe dort dringend notwendig ist, erklärten am gestrigen Abend das Paderborner Osterlaufteam und ausgewählte Ärzte der ‚German Doctors‘ im Rahmen eines bewegenden „Nairobi-Abends“.

Im historischen Rathaus wurden die Gäste zunächst herzlich von dem Geschäftsführer des Paderborner Osterlaufs, Christian Stork und Hans-Joachim Meier aus dem Osterlauf-Organisationsteam begrüßt. Im November vergangenen Jahres waren sie zusammen mit Wolfgang Krenz für drei Tage nach Nairobi geflogen, um sich einen persönlichen Eindruck der schweren Lebensumstände im Mathare Valley Slum zu verschaffen, dem zweitgrößten Slum in Nairobi. Begleitet von dem kenianischen Marathonläufer Edwin Kibowen, der 2009 Dritter beim Paderborner Osterlauf wurde, besuchten sie das dortige „Baraka“-Gesundheitszentrum-Projekt der „German Doctors“.

Man bewundere in Deutschland immer die Kenianer, wenn sie an einem vorbei schießen, schmunzelt Dietrich Honervogt, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Paderborn, und wird dann ernster. „Sie werden immer bewundert, doch woher kommen sie und wie leben sie? Es ist an der Zeit für uns, etwas wiederzugeben für die Topleistung der kenianischen Läufer.“ Es ist ein Leben, welches dem Leben hier nicht unähnlicher sein könnte. Beinahe eine Million Menschen leben im Mathare Valley Slum, davon fast 400.000 Kinder. Arbeitslosigkeit, Hunger, Gewalt und Krankheiten wie HIV und Tuberkulose sind an der Tagesordnung. Sechs Ärzte aus Deutschland, die aus verschiedenen medizinischen Bereichen kommen, sind gleichzeitig vor Ort, um zu helfen. Ein ehrenamtlicher und unentgeltlicher Einsatz von jeweils sechs Wochen, wobei oft der Jahresurlaub geopfert oder über den Ruhestand hinaus gearbeitet wird.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADr. Rosemarie Kalajian-Rauschen und Dr. Gerhard Markus sind zwei dieser Ärzte. Es sind bewegende Momente, als Dr. Kalajian-Rauschen von ihren Erlebnissen erzählt und dabei Fotografien zeigt, die bei den Gästen für Bestürzung und Unglauben sorgen wie zum Beispiel das Foto des kleinen Mädchens, deren Arm amputiert werden musste aufgrund eines unbehandelten Schlangenbisses. Wo in Deutschland Früherkennung und hoher medizinischer Standard für bessere Lebensqualität sorgen, werden die Ärzte in Nairobi mit Verletzungen konfrontiert, die hier undenkbar wären.

„Es ist ein Überlebenskampf, aber was mich so fasziniert, ist die Herzlichkeit, Lebhaftigkeit und Freude der Menschen dort. Mein Herz hängt an Nairobi.“ erzählt Kalajian-Rauschen mit warmer Stimme und man glaubt der Ärztin, die sich seit fünf Jahren in Kenia engagiert, sofort. „Es ist aber auch sehr frustrierend, wenn man merkt, dass man nicht die Mittel hat zu helfen, wie man sie in Deutschland hätte. Man entwickelt eine gewisse Professionalität, um damit umzugehen, sonst ist es sehr schwer.“, gesteht Dr. Markus, der über 30 Jahre lang Leiter der Erzdiözese Paderborn und bis 2005 Chefarzt der medizinischen Abteilung des St. Vincenz Krankenhauses war. Für die „German-Doctors“ war der erfahrene Arzt unter anderem schon auf den Philippinen aktiv.

Um die kontinuierliche Arbeit in den Projekten in Nairobi und sechs weiteren Ländern wie Indien und Bangladesch zu ermöglichen, braucht man Geld, viel Geld. Aus diesem Grund wurde die „Spendenläufer-Aktion“ zusammen mit dem traditionellen Paderborner Osterlauf ins Leben gerufen. Mit einfachen Schritten können Familie, Freunde und Bekannte für ein individuell gesetztes Spendenziel des Läufers spenden. Das gespendete Geld kommt 100 Prozent den Projekten zugute. „Wir sind dankbar für jede Hilfe. Jeder Euro zählt.“ bekräftigt Dr. Harald Kischlat, Generalsekretär der „German-Doctors“. Auch der stellvertretende Bürgermeister nahm es sich am Ende des Abends nicht, das offizielle „Spendenläufer“-Trikot spontan überzuziehen. „Wir spannen eine Brücke zwischen dem Lauf und den Ärzten für die dritte Welt, zwischen Paderborn und Kenia. Ich finde das super!“, so Honervogt und ist damit nicht allein.

Weitere Informationen zur Teilnahme an der „Spendenläufer-Aktion“ gibt es unter: http://www.paderborner-osterlauf.de/spendenlauf.html

BU1 (v. l.): Christian Stork, Dietrich Honervogt, Dr. Rosemarie Kalajian-Rauschen, Dr. Gerhard Markus, Dr. Harald Kischlat und Hans-Joachim Meier.

BU2: Paderborns stellvertretenden Bürgermeister Honervogt liegt das Charity-Projekt sehr am Herzen.

 

Text & Foto: Dorothea Zaczynski