15 Jahre Stadtbahnlinie 4

mo2578_Uni_HaltestelleBielefeld. Am 2. April 2000, vor 15 Jahren, fuhr die Stadtbahnlinie 4 nach fünfjähriger Bauzeit erstmals eine provisorische Endhaltestelle an der Universität an. Rund 70.000 Bielefelder und Bielefelderinnen feierten die Eröffnung mit einem großen Volksfest. Die Linie 4, gebaut von der Stadt Bielefeld, wurde damals dringend benötigt: Die im dichten Takt zur Universität fahrenden Busse waren oft überfüllt und standen im Stau. An Werktagen während der Vorlesungszeiten galt es, gut 12.000 bis 13.000 Fahrgäste zu befördern. Die Uni-Linie war denn auch von Anfang an erfolgreich. Heute fahren an Werktagen mit Vorlesungsbetrieb mehr als doppelt so viele Menschen mit der Linie 4: 33.500. Und es dürften noch mehr werden, wenn die Fachhochschule ihr neues Gebäude bezogen hat.

Eineinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme, im Oktober 2001, konnte auch die Haltestelle Universität in Betrieb genommen werden. Über eine Brücke ist sie direkt mit dem Hochschulgelände verbunden. Im September 2002 ging schließlich die heutige Endhaltestelle Lohmannshof ans Netz. Damit war der heutige Ausbaustand der 4,5 Kilometer langen Stadtbahnlinie 4 erreicht. Rund zwei Kilometer der Strecke verlaufen im Tunnel, der Rest auf eigenem Bahnkörper. An der rund 112 Millionen Euro teuren Strecke entstanden zwei unterirdische und fünf oberirdische Haltestellen. Die Linie 4 ermöglicht es den Studierenden, die von außerhalb mit den Nahverkehrszügen anreisen, vom Hauptbahnhof in acht Minuten an der Universität zu sein. Arminia-Fans oder Besucher der Rudolf-Oetker-Halle brauchen sogar nur vier Minuten, um vom Bahnhof bis an ihr Ziel zu gelangen.

Auf der Linie 4 setzte – und setzt – moBiel wegen des hohen Fahrgastaufkommens besondere Fahrzeuge ein. So verkehrten hier von Anfang an in den Spitzenzeiten Stadtbahnzüge aus zwei Bahnen vom Typ M8D und einem dazwischen gekoppelten Mittelwagen. Diese Züge sind 68 Meter lang und bieten rund 400 Fahrgästen Platz. Seit der Jahreswende 2011/ 2012 fahren auf der Linie 4 außerdem Züge aus zwei Vamos-Wagen. Obwohl diese sogar 460 Fahrgästen Platz bieten, ist während der Vorlesungszeiten der Andrang so groß, dass dann zu bestimmten Uhrzeiten in zehn Minuten drei Doppelzüge zwischen Hauptbahnhof und Lohmannshof fahren.

Frühe Planungen
Schon vor etwa 100 Jahren begannen die Planungen für die spätere Uni-Linie. Nachdem im Jahre 1900 die erste Straßenbahnlinie in Bielefeld in Betrieb genommen worden war, folgte ihr zwei Jahre später die Linie 2. Die Planungen für die „Ost-West-Linie 3“, die seinerzeit über die Bossestraße, die Stapenhorststraße, den Jahnplatz und die Heeper Straße zur Oststraße führen sollte, wurden durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges gestoppt. Das Schienen- und Fahrleitungsmaterial wurde für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt. Der auf den 2. August 1914 festgesetzte Baubeginn entfiel.

Eine Art „Ersatz“ für diese Ost-West-Verbindung stellte der im Jahre 1944 aufgenommene O-Bus-Betrieb dar. Der O-Bus bediente die Linie 4 vom Wellensiek bis nach Heepen. Am 8. November 1968 endete diese Linienführung. Die Universität, die in den 70gern entstand, wurde zunächst mit Bussen bedient. Diese stießen aber bald an ihre Kapazitätsgrenzen.

„Eiszeit“ bei den Tunnelarbeiten
Nachdem im April 1991 die Stadtbahn in Betrieb gegangen war, lag es nahe, auch die früheren Pläne einer Stadtbahn-Verbindung in den Westen wieder aufzugreifen. Am 12. Juni 1995 erfolgte der erste Spatenstich für die Uni-Linie an der Rudolf-Oetker-Halle. Im März des folgenden Jahres konnten die eigentlichen Tunnelarbeiten beginnen. Sie stellten die Planer vor große Herausforderungen, insbesondere im der Bereich des Bürgerparks. Eine Rinne aus Schlamm und Wasser musste auf einer Länge von 40 Metern gesondert gesichert werden. Dazu wurde der Baugrund zunächst mit Kühlmitteln vereist. Dann erfolgte das Fräsen des Tunnels durch Bergbauspezialisten, dem sich die sofortige Herstellung der Spritzbetonschale anschloss.

Fotonachweis: moBiel | Olaf Lewald