128.400 Schichtarbeiter in OWL

Bielefeld/Herford. Wenn der Job die Nacht zum Tag macht: Rund 128.400 Menschen in Ostwestfalen-Lippe machen Schichtarbeit. Nach dem Willen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sollen sich die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten künftig wesentlich verbessern: Die NGG will die 4-Tage-Woche für Schichtarbeiter ab 55 Jahren durchsetzen – und das mit Lohnausgleich. „Wer jahrelang immer wieder spät abends um 22 Uhr oder nachts um 3 Uhr am Band steht, der braucht mit Mitte 50 mehr Erholungszeit, wenn er gesund in die Rente kommen will. Nur die wenigsten schaffen es, bis 67 zu arbeiten. Insbesondere Wechselschichten sind besonders hart“, sagt Gaby Böhm.

Nach Angaben der Geschäftsführerin der NGG Bielefeld-Herford wird in der Ernährungsindustrie in der Regel in zwei oder sogar – rund um die Uhr – in drei Schichten produziert. Manchmal sogar an sieben Tagen in der Woche – nonstop. „Für ältere Beschäftigte ist dabei das Limit irgendwann erreicht. Deshalb muss es für sie Teilzeitarbeit geben – mit Lohnausgleich. Für Schichtarbeiter ab 60 Jahren sollte die Arbeitszeit sogar auf drei Tage pro Woche reduziert werden“, so Gaby Böhm. Andernfalls seien die Beschäftigten gezwungen, krank aus dem Job auszuscheiden. Ihnen bleibe dann bestenfalls eine „karge Erwerbsminderungsrente“, häufig aber nur Hartz IV.

Ziel müsse es jedoch sein, jedem Beschäftigten die Chance zu geben, seinen Arbeitsplatz zu behalten und ohne Abstriche in die Rente zu gehen. „Wer über Jahrzehnte hinweg Tag und Nacht hart malocht, der braucht in der letzten Phase seines Berufslebens einen ‚Alters-Airbag’ im Job“, sagt die Geschäftsführerin der NGG Bielefeld-Herford. In der Politik und am Tariftisch müssten deshalb flexible Altersteilzeitmodelle entwickelt werden. „Ganz abgesehen davon, dass die Rente mit 67 sowieso eine reine Illusion ist – gerade für Schichtarbeiter“, so Gaby Böhm.

Die NGG kündigt an, die Arbeitgeber bei den kommenden Tarifverhandlungen in die Pflicht zu nehmen: „Die Unternehmer fordern über ihre Verbände jetzt sogar die Altersrente auf 70 hochzusetzen. Die Konsequenzen müssen dann allerdings die Mitarbeiter ausbaden, die meistens über Jahrzehnte für das Unternehmen und den wirtschaftlichen Erfolg geschuftet haben. Deshalb brauchen wir tarifliche Teilzeitarbeit für Ältere mit Lohnausgleich“, sagt Böhm.

Bild: NGG-Region Bielefeld-Herford