„Veränderung ist ein langsamer Prozess“

Erinnerungen an die vergangenen Jahre: Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh, Inge Trame, blättert durch die zahlreichen Fotoalben.

Gütersloh (gpr). Die Gleichstellungsstelle für Frau und Mann der Stadt Gütersloh feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum. Vom Girls’ und Boys’ Day über das internationale Frauenfrühstück bis hin zum Frauenstadtbuch hat sich dort im vergangenen Vierteljahrhundert einiges bewegt. Gleichstellungsbeauftragte Inge Trame lässt im Interview die Zeit Revue passieren und hebt einzelne Entwicklungsschritte hervor.Frau Trame, die Gleichstellungsstelle der Stadt Gütersloh wurde im Jahr 1987 ins Leben gerufen. Zwar waren Sie damals noch nicht mit an Bord, können Sie dennoch kurz schildern, welche Ausgangssituation sich Ihrer Vorgängerin geboten hat?

Der Rat der Stadt Gütersloh hat am 7. März 1986 einen Einrichtungsbeschluss gefasst, freiwillig eine Gleichstellungsstelle für Frauenfragen ins Leben zu rufen. Damit war die Stadt Gütersloh eine der ersten Städte, die eine Gleichstellungsstelle hatte. Das bedeutete aber auch für meine Vorgängerin Annegret Kruse, dass es ein vollkommen neues Amt ohne Satzung und Erfahrungswerte war. Die Gleichstellungsstelle wurde von vielen als exotisches Amt angesehen. In der damaligen Zeit war es noch schwieriger als heute, bestimmte Probleme offen anzusprechen.

Warum war die Einrichtung einer Gleichstellungsstelle für die Stadt Gütersloh damals überhaupt von Bedeutung und welche Funktion hat sie übernommen?

Der Grundgedanke war und ist es, den dritten Artikel des Grundgesetztes, „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, auf kommunaler Ebene umzusetzen. Die Gleichstellungsstelle setzt sich seit jeher für die Interessen für Frauen und Mädchen vor Ort ein. Wir wollen aktiv etwas verändern, ein Umdenken in den Köpfen bewirken und in möglichst vielen Bereichen mitwirken. Die Gleichstellungsstelle setzt Impulse, hier findet Vernetzung der frauenpolitischen Strömungen statt.

Sie sind seit 1992 für die Stadt Gütersloh tätig. Mit welchen Themen befassen Sie sich täglich?

Mein Aufgabengebiet ist sehr vielseitig und wechselt ständig. Zum einen setze ich viele Aufgaben innerhalb der Stadtverwaltung um: Ich bin bei personellen Maßnahmen beteiligt, habe geschlechterspezifische Aufgaben im Blick, stelle unterschiedliche Angebote auf die Beine und bin Ansprechpartnerin für die Beschäftigten. Zum anderen betreibe ich intensive Netzwerkpflege in Gütersloh: Ich wirke in verschiedenen Arbeitsgruppen mit und betreibe aktive Kontaktpflege mit den Gruppierungen. Es ist wichtig zu wissen, wer was macht, in der Gleichstellungsstelle werden die zahlreichen Aktivitäten gebündelt. Außerdem ist die Gleichstellungsstelle auch häufig eine Servicestelle für alle Bürgerinnen und Bürger, die auf der Suche nach einer Ansprechperson sind.

Welche Veranstaltungen organisieren Sie?

Viele Veranstaltungen sind das Ergebnis einer gelungenen Kooperation. So bündele ich seit Jahren erfolgreich die Angebote „Rund um den 8. März“, den internationalen Frauentag. Ein tolles und vielseitiges Programm, das in dieser Form einmalig im Kreis Gütersloh ist. Verschiedene Kulturen verbindet das internationale Frauenfrühstück, das sich ebenfalls zu einem Treffen von Frauen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlicher Kulturen entwickelt hat. Daraus wiederum ist zum Beispiel der internationale Kochkurs entstanden.

Ein Vierteljahrhundert ist eine lange Zeit. Was hat die Gleichstellungsstelle in diesem Zeitraum bewegt beziehungsweise verändert?

Viele Themen der Gleichstellungsstelle sind heute einfach selbstverständlicher, zum Beispiel wird viel offener über die Problematik von Gewalt an Frauen und Mädchen geredet. Auch die Unsicherheiten gegenüber der Gleichstellungsstelle sind deutlich geringer geworden. Viele Menschen schenken uns ihr Vertrauen und schätzen uns als verlässliche Ansprechpartner. Auf dieser Basis kann man einiges erreichen.

Inwiefern hat sich das Verhalten der Menschen im Laufe der Jahre verändert?

Die Menschen sind sensibler für Geschlechtergerechtigkeit geworden. Bei vielen gehört der Blick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen zum Bestandteil ihrer Arbeit.

Warum spielt die Gleichstellungsstelle im Zeitalter der Toleranz und Gleichberechtigung überhaupt noch eine bedeutende Rolle?

Weil wir unser Ziel noch lange nicht erreicht haben. Gerade im Bereich der Erwerbstätigkeit herrscht noch viel Ungleichheit: Frauen verdienen noch immer weniger, sind häufiger in Teilzeit beschäftigt und sind in den Führungsetagen kaum zu finden. Frauen und Mädchen sind immer noch häufig Opfer von Gewalttaten. Wir sind zwar auf dem richtigen Weg, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sondern wir müssen uns ständig weiter für Gleichberechtigung einsetzen. Veränderung in der Gesellschaft und in den Köpfen der Menschen ist ein ständiger Prozess, der aber nur langsam voranschreitet.

Ein kurzer Ausblick in die Zukunft: Was steht im Jubiläumsjahr auf dem Programm der Gleichstellungsstelle?  

Passend zum Jubiläumsjahr haben wir einige besondere Veranstaltungen geplant. Das zweite Halbjahresprogramm hat wieder einiges zu bieten: Unter anderem gibt es eine Ausstellung zum Thema „Typisch männlich, typisch weiblich“ und eine große Talk-Runde mit Frauen aus unterschiedlichen Bereichen. Ich freue mich auf anregende Gespräche.

Die Gleichstellungsstelle für Frau und Mann der Stadt Gütersloh mit Inge Trame und ihrer Kollegin Agnes Bröckling-Kuron befindet sich im zweiten Stockwerk des Rathauses, Berliner Straße 70. Weitere Informationen rund um die Arbeit der Gleichstellungsstelle gibt es außerdem im Internet unter www.gleichstellungsstelle.guetersloh.de.

Foto: Zentrale für Öffentlichkeitsarbeit Stadt Gütersloh