„Richtige Information zur richtigen Zeit kann Leben retten“

Kreis Paderborn (krpb). Wenn es irgendwo brennt, muss alles sehr schnell gehen. Jeder einzelne Feuerwehrmann tut dann sein Bestes, um Menschen und Tiere, das Familienheim oder die Firma vor dem Flammen zu retten. Allein im vergangenen Jahr rückten die Feuerwehren im Kreis Paderborn zu insgesamt   rund 1.300 Bränden  und 1.650 Hilfeleistungen  aus.

Präsentieren Technik, die sogar Leben retten kann - von links nach rechts

Je mehr die Einsatzkräfte beispielsweise über Lage, Grundriss und Raumaufteilung des brennenden Gebäudes wissen, desto gezielter und schneller können sie helfen. Doch genau da kann es haken. Die Verwaltungen haben jede Menge Informationen, die  Leitstelle auch. Im Falle des Falles müssen diese Informationen sehr schnell, möglichst mit dem Erstalarm,   zu den Einsatzkräften. Dieses Wissen auf Knopfdruck abzufragen und weiterzuleiten, den Datenaustausch in öffentlichen Verwaltungen zu optimieren, ist Ziel des Forschungsprojektes Mobis Pro, das jetzt erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse will der Kreis Paderborn auch für die geplante Einführung eines Dokumentenmanagementsystems nutzen. „Wir sind damit am Puls der Zeit“, sagt Ordnungsdezernent Michael Beninde.

Mobis Pro steht für „Mobiles Informationssystem zur Prozessoptimierung in Feuerwehren und öffentlichen Verwaltungen“. Seit 2008 arbeiten die Universität und der Kreis Paderborn an der Optimierung des Datenaustausches in den Verwaltungen, insbesondere zwischen vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz. Weitere Projektpartner sind die Technische Universität Dortmund, das Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Stadt Dortmund (IFR) und die Firma VOMATEC International GmbH. Mobis Pro will die in den Behörden vorhandenen, unterschiedlichen Computersysteme so aufeinander abstimmen bzw. Schnittstellen so standardisieren, dass Daten ohne Probleme blitzschnell abgefragt und übermittelt, Papierwege überflüssig werden. Dazu erarbeitete die Arbeitsgruppe Computeranwendung und Integration in Konstruktion und Planung (C.I.K.) der Universität Paderborn unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Rainer Koch neue Möglichkeiten zur Vernetzung elektronischer Datenverarbeitungssysteme. „Die richtigen Informationen sollen zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Personen zur Verfügung gestellt werden“, bringt Koch es auf den Punkt. Der Kreis Paderborn begleitete die Entwicklung von Beginn an und konnte bundesweit als erster Landkreis von den Ergebnissen profitieren.

„Im Rettungswesen kann dieser schnelle Datenfluss helfen, Menschen zu retten, Einsatzkräfte besser zu schützen und die Schäden an den Gebäuden geringer zu halten“, erläutert der Leiter der Kreisfeuerwehrzentrale, Ulrich Hilkenbach. So  können nach Einführung dieser „Datenschnittstellenvernetzung“ die Rettungskräfte beispielsweise  aus den zugänglichen Bauakten in Wohnhäusern die Kinder- und Schlafzimmer schneller finden oder in Gewerbebetrieben die  Gefahrstofflager  und die daraus drohenden Gefahren sofort erkennen und besser bekämpfen.

Im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes profitieren Behörden und Bürger durch schnellere Bearbeitungszeiten: Durch das Anlegen digitaler Bauakten können verwaltungstechnische Abläufe wie Baugenehmigungsverfahren sowie Stellungnahmen zur Bauleitplanung und Brandschauen effizienter und schneller gestaltet werden. Mobis Pro könnte in Verwaltungen Schule machen. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung papierloses Büro.

Der Abschlussbericht zum Projekt wurde durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) freigegeben. Mobis Pro wurde gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BWMi) im Rahmen des Förderprogramms „SimoBIT“.

Foto: Michaela Pitz/Kreis Paderborn