„Depression kann jeden treffen“

Gaben mit einer Pressekonferenz im Kreishaus in Höxter den offiziellen Startschuss für das neue Schwerpunktthema „Depression“ der Gesundheits- und Pflegekonferenz (von links): Vorsitzender Dr. Ulrich Conradi, Geschäftsführer Alfred Wiemers, Dr. Norbert Kieslich, Albin Escher und Dr. Volker Knapczik.

Höxter. „Wir können als Gesundheits- und Pflegekonferenz zwar keine einfachen Rezepte zur Problemlösung anbieten, doch wir können mit Hilfe unserer Aufklärungsarbeit einen wichtigen Beitrag leisten, dass die Depression als eine Erkrankung verstanden wird und Betroffene auf Verständnis stoßen.“ Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi brachte seine Freude zum Ausdruck, dass es wieder gelungen ist, kompetente Experten aus dem Kreis Höxter für das neue Schwerpunktthema „Depression“ zu gewinnen.

Erneut stellt die Gesundheits- und Pflegekonferenz im Kreis Höxter unter Beweis, dass sie auch vor schwierigen Themen nicht zurückschreckt. „Wir wollen den Menschen in der Region zeigen, dass sie sich auf die Hilfe vor Ort verlassen können“, sagte Vorsitzender Dr. Ulrich Conradi und betonte in diesem Zusammenhang nicht nur die ausgezeichnete ärztliche Betreuung, sondern auch die Möglichkeit, sich in Selbsthilfegruppen Rat zu holen. Seinen Dank sprach er Dr. Volker Knapczik aus, dem Chefarzt der Abteilung für klinische Psychiatrie und Psychotherapie des St. Josef-Hospitals Bad Driburg, dass er die wissenschaftliche Leitung der Arbeitsgruppe Depression übernommen hat. Genauso dankte er Dr. med. Norbert Kieslich, Chefarzt Psychosomatik / Psychotherapie der Rosenbergklinik Bad Driburg und Albin Escher von der Selbsthilfegruppe aus Bad Driburg für die große Unterstützung.

Dr. Volker Knapczik machte deutlich, dass das Thema Depression nicht nur bei spektakulären Fällen wie zum Beispiel Nationaltorwart Robert Enke Gesprächsthema sein sollte. „Es geht vor allem darum, Hemmschwellen abzubauen. Depression ist eine Krankheit, die behandelt werden kann. Bei anderen Erkrankungen gibt es auch keine Geheimnistuerei!“ Knapczik forderte deshalb einen normalen Umgang mit dem Krankheitsbild. Wichtige Voraussetzung sei, die Erkrankung überhaupt als solche zu erkennen. „Depressive Episoden sind gekennzeichnet durch spezifische Symptome, die über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen anhalten. Dazu gehören Niedergeschlagenheit oder der Eindruck von Gefühllosigkeit, Interessensverlust oder Verlust der Freude, Antriebslosigkeit, Verlangsamung oder innere Unruhe, Gedanken an den Tod und zahlreiche körperliche  Beschwerden wie beispielsweise Schlafstörungen.“

„Je nach Krankheitsdauer und Schwere entscheidet sich, welche Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll erscheinen“, erläuterte Dr. Norbert Kieslich, „als solche stehen heute gut verträgliche Medikamente, verschiedene Formen der Psychotherapie sowie weitere Therapieansätze zur Verfügung.“ Neben hilfreichen Beziehungen seien hier insbesondere kreatives Tun zu nennen und – wie aktuelle neurobiologische Erkenntnisse zeigen – körperliche Ausdaueraktivitäten wie zum Beispiel Walken, Schwimmen oder Radfahren. „Hier ist es allerdings wichtig, dass die Betroffenen ihre Aktivitäten am besten in Gemeinschaft unternehmen.“

Aufgrund des weiten Spektrums des neuen Schwerpunktthemas, will die Gesundheits- und Pflegekonferenz mit verschiedenen Aktionen Hilfestellungen und Informationen vermitteln. Geschäftsführer Alfred Wiemers, in dessen bewährten Händen die Organisation liegt, nannte in diesem Zusammenhang vor allem Telefonaktionen, bei denen interessierte Bürgerinnen und Bürger anonym Auskünfte einholen könnten. Überlegt wird auch, im Gegensatz zu der sonst üblichen Großveranstaltung, an verschiedenen Standorten kleinere Infoabende durchzuführen oder auch mit Schulklassen in Kontakt zu treten, um im Rahmen des Unterrichts die Thematik aufzuarbeiten.

Depressive Erkrankungen nehmen nach Hochrechnung der Weltgesundheitsorganisation weltweit zu. Bis zum Jahr 2020 werden sich Depressionen zu der Krankheitsgruppe entwickeln, die neben den Herz-/Kreislaufkrankheiten das meiste Leiden und die höchsten Kosten verursachen. In Deutschland liegt die Häufigkeit von depressiven Verstimmungen bei 8,1 Prozent (Frauen:10,2 – Männer: 6,1 Prozent), wie die Zahlen der neuen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland aus dem Jahre 2012 zeigen. Das heißt, eine von zehn Frauen oder etwa einer von 20 Männern leidet unter einer depressiven Verstimmung. Entgegen den landläufigen Erwartungen sind jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren am häufigsten betroffen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Häufigkeit und ist ab dem 65. Lebensjahr am niedrigsten.